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Umbau 1611

1611

Als älterer Kern befindet sich in dem von Süd-Osten nach Nordwesten verlaufenden Gebäudeflügel ein Fachwerkbau von vier Gebinden Länge, der nach einer dendrochronologischen Datierung im Jahre 1611 erbaut worden ist.

Während an der süd-westlichen Traufseite das ganze Gerüst bis auf einen Ständer bzw. Reste von den Ständern durch die Backsteinwand ersetzt wurde, lässt sich das ursprüngliche Längsgerüst an der gegenüberliegenden Seite bzw. Innenwand noch vollständig rekonstruieren. Hierbei wird das die Ständer abschließende Rähm durch Kopfstreben mit den Ständern verbunden, wobei die Kopfstreben die obere Riegelplatte überplatten.

4gebinde

Aufsichtzeichung von Dr. Christoph Dautermann

Rot markiert: Fachwerk - Gebinde                                                        Blaugelb markiert: Ständer

Darunter liegend verbanden ursprünglich je zwei weitere Riegel die Ständer. Lediglich im letzten Fach von Nord-Westen gab es drei Riegel, auch setzen hier die Kopfstreben höher an den Ständer an.

Dies wird mit der ursprünglich vorhandenen, jedoch heute veränderten Aufkammer in Zusammenhang zu bringen sein, zumal der direkt unter den Kopfstreben liegende Riegel als einziger außen lag, während alle anderen Riegel und auch die Kopfstreben mit den Ständern nach innen bündig abschließen

riegel

Schnittzeichnung von Dr. Christoph Dautermann

Rot markiert: Ständer, Gelb markiert: Riegel, Blau markiert: Kopfstreben

Der 2. Ständer von Süd-Osten ist im unteren Bereich abgefasst und profiliert; dies deutet auf ursprüngliche Öffnungen zum Flügelbau bzw. zur Abseite hin.

Von den Ständern werden jeweils zwei im oberen Bereich durch einen kräftigen durchgezapften Bundbalken zu einem Gebinde vereinigt.

Durch die Lage der Bundbalken unterhalb des Rähms entsteht ein ca. 75 cm hoher Kniestock. Auf den Bundbalken lag ursprünglich eine Längsbalkenlage bzw. waren die Längsbalken in die Bundbalken eingezapft. Die Deckenhöhe ist insgesamt später verändert worden. Die Bundbalken werden z.T. heute noch durch kräftige, gerade Kopfbänder abgestützt.

Die Lage weiterer, die Ständer verbindender Balken ergibt sich aus der ursprünglichen Raumstruktur bzw. dem Nutzungsgefüge. So war das südliche Fach, also der Raum zwischen den beiden ersten Gebinden von Süden, von Anfang an zweigeschossig gestaltet, während das mittlere Fach durch einen hohen Herdraum geprägt war und das nördliche die Aufkammer mit einem darunter liegenden Keller aufnahm.

Schnitt

Schnittzeichnung von Dr. Christoph Dautermann , Herdraum

Rot markiert: Bundbalken

Die Erdgeschossdecke des zweigeschossigen südlichen Bauteils wird ursprünglich ebenfalls eine Längslage aufgewiesen haben, wobei die Balken vermutlich in den noch vorhandenen, allerdings erheblich schwächeren Bundbalken eingezapft gewesen sein dürften. Der Bundbalken konnte offenbar deshalb schmaler gewählt werden, da die ganze Querwand  bis auf eine Türöffnung im heutigen Flurbereich geschlossen gewesen sein muss. Diese Querwand war anscheinend im Erdgeschoßbereich gegliedert, wie die regelmäßigen Fasen an der Unterkante des Balkens deutlich werden lassen. Allerdings ist hier eine Rekonstruktion der ursprünglichen Gestaltung kaum noch möglich. Ein später versetzter Türständer kann durchaus zur ursprünglichen Türöffnung in der Querwand gehören.

Kaminzimmerafachwerk

Die Zweigeschossigkeit des südlichen Hausteiles beweist ein noch an alter Stelle in der Querwand verbliebener Türständer.  Hier befand sich eine Türöffnung, deren genaue Größe sich an den Abfassungen sowohl am Türständer als auch am oberen Bundbalken ablesen lässt. Zugänglich war die Tür und damit der Raum im Obergeschoss ursprünglich über eine Galerie, deren Vorhandensein sich durch die Zapfspuren im unteren Bundbalken nachweisen lässt.

Um eingezapfte Deckenbalken kann es sich an dieser Stelle nicht gehandelt haben, da das entsprechende Pendant in der gegenüberliegenden Gebinde fehlt. Wohl aber muss der ehemals hohe Herdraum zusätzlich mit einer Hängekammer ausgestattet gewesen sein, wie ein zum Zeitpunkt der Untersuchung allerdings schon ausgebauter Unterzug mit eindeutigen Spuren einer Balkenlage nahe legt. Unklar muss jedoch bislang die ursprüngliche Lage des Zugangs bzw. der Treppe zur Galerie und zur Hängekammer bleiben.

Haengekammer

Aufsichtzeichnung von Dr. Christoph Dautermann

Rot markiert: Ehemalige Galerie und Hängekammer   Gelb markiert: Ehemaliger Treppenverlauf

Der zuletzt noch vorhandene, von Grund auf gemauerte Schornstein im mittleren Raum ist mit einem späteren Umbau in Zusammenhang zu bringen. Die ursprüngliche Feuerstelle lag auf der Höhe des dritten Gebindes von Süden, deutliche Spuren des Rauchfanges haben sich im oberen Bundbalken erhalten. Andere Feuerstellen ließen sich nicht nachweisen.

Ungelöst ist bis jetzt auch die genaue Konstruktion der Querwand auf der Höhe des dritten Gebindes, zumal auch die Aufkammer und deren Zugang nicht den ursprünglichen Verhältnissen entsprechen. Obwohl die noch vorhandene, teils rußgeschwärzte und mit Lehmflechtwerk verschlossene Wand altartig wirkt, korrespondieren nicht alle. Bauspuren so, dass sich eine durchgehende Riegelkette oder gar ein weiterer Bundbalken rekonstruieren ließe.

Die ursprüngliche Ausfachung aller Wände bestand aus Lehmflechtwerk, das heute noch z.T. vorhanden ist; dies muss auch für die nicht mehr bestehenden Außenwände des Fachwerkbaues angenommen werden.

Der Dachverband wird von einem Sparrendach mit gerade angeblatteten Kehlbalken gebildet. Die Sparren ruhen auf einem Dachstuhl, der aus vier auf den Bundbalken stehenden Stuhlgebinden besteht. Die Stuhlsäulen sind auf Höhe des Rähms bzw. Kniestocks abgeknickt und werden in der Längsrichtung durch ein Rähm und eine Riegelkette verbunden. Lange, die Riegel überblattende Kopfstreben laufen zusätzlich von den Stuhlsäulen zum Stuhlrähm. Je zwei Stuhlsäulen werden durch einen Spannbalken, der ca. 50 cm unterhalb des Stuhlrähms liegt, zu einem Gebinde verknüpft. Die Spannbalken werden durch Kopfbänder noch einmal mit den Stuhlsäulen verstrebt. Die Kopfbänder sind an der Unterkante abgefast.

Alle Holzverbindungen bestehen aus Verzapfungen oder Überblattungen, die durch Holznägel gesichert sind. Lediglich die Sparrenfüße sind am Rähm mit Eisennägeln befestigt.