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Erbauung ~1550

Um 1550

Im rechten Winkel zu diesen Fachwerk von 1611 steht, in den heutigen Baukörper integriert, der Rest eines weiteren zweigeschossigen Fachwerkgerüstes, das aufgrund mehrerer Indizien als älter, also vor 1600, angesehen werden kann. Von der ursprünglichen Substanz sind noch bis auf die der Strasse zugewandten, 1750 veränderten Traufseite, zwei Gebinde erhalten.

Das Gerüst zeigt keine konstruktive Verbindung zum Bau von 1611, vielmehr endet das Rähm, indem sein Ende einfach auf dem Rähm des jüngeren Baues aufliegt, die Riegel enden unvermittelt vor dessen Längswand bzw. sind davor abgesägt oder ganz beseitigt worden. Auch fluchtet die nördliche Traufwand des älteren Gebäudes nicht mit dem Ständer des anderen Baues, so dass alleine aus diesem Grund schon keine konstruktive Verbindung zustande kommen kann.

aufsichtum1550

Aufsichtzeichung von Dr. Christoph Dautermann

Rot markiert: Bauteil um 1550 , Durchgezogene Linie: Noch vorhandene Fachwerksubstanz

So wird man annehmen können, dass 1611 zugunsten des Neubaus vielleicht die Hälfte eines älteren Gebäudes abgerissen wurde. Dieses unterscheidet sich nun auch durch einige konstruktive Merkmale vom jüngeren Fachwerkgerüst:

Bei dem zweigeschossigen Wandständerbau sind die unteren Ankerbalken durchgezapft, die oberen aber, allerdings nur noch im Giebel deutlich sichtbar, aufgelegt.

An der nördlichen Längswand sind die Ständer durch vier Riegel, die in diese eingezapft sind, verbunden.

Fachwerk1550Seite

An der nördlichen Längswand sind die Ständer durch vier Riegel, die in diese eingezapft sind, verbunden. Die Winkelaussteifung zwischen Ständer und Rähm erfolgt durch Kopfbänder, die an dem Innengebindeständer paarig angebracht und im Übrigen an der Unterkante abgefast sind.

Die Fenster im Giebel  sind konstruktiv mit dem Gerüst verbunden. d.h. die Fensterstöcke sind mit dem Riegel verzapft. Beachtenswert sind die relativ großen, direkt an den Eckständern ansetzenden Fenster des Obergeschosses.

Demgegenüber ist das eine noch erhaltene Obergeschoßfenster an der nördlichen Traufwand an das Rähm bzw. an Kopfband und Riegel angenagelt.  Der rechte Fensterstock überblattet dabei den obersten Riegel und war vermutlich ehemals in den zweiten Riegel von oben eingezapft. Das Fenster ist zweiteilig, d.h. das größere Unterteil wurde nach außen durch einen Holzladen verschlossen, das Oberteil war vermutlich verglast.

fachwerk1550hinten

 

  • Das Gutachten wurde erstellt durch das Planungsbüro Tisje, Neu-Isenburg
  • Dazu vergl. Aber: Hans Vogts. Das Bürgerhaus in der Rheinprovinz.
  • Erw. Nachdruck zur 1. Auflage von 1929 / Düsseldorf 1986. S. 169 Abb. 170